
Das Kiefergelenk ist komplex - eine Aufgabe für Spezialisten
Das menschliche Kiefergelenk ist komplex und leistungsfähig - ein kleines Wunder der Natur. Normalerweise funktioniert es einfach und man bemerkt nicht einmal seine Existenz. Letzteres ändert sich schnell, wenn die Funktion des Kiefergelenkes gestört ist. Dann entstehen Bewegungsstörungen, Kiefergelenkgeräusche und die Kiefergelenke können schmerzen. Gleichzeitig gerät das fein abgestimmte Zusammenspiel der Kiefergelenke mit der Kaumuskulatur und den Zahnkauflächen aus der Balance.
Zur erfolgreichen Behandlung solcher Dysbalancen ist es daher erforderlich, den Funktionszustand der Muskulatur, der Kiefergelenke und der Zähne zu untersuchen und zu verstehen. Hierfür gibt es eine ganze Reihe spezieller zahnärztlicher Untersuchungstechniken.
Aufgaben der Kiefergelenke
Die Kiefergelenke bilden das Scharnier zwischen Ober- und Unterkiefer. Sie ermöglichen neben Kieferöffnung und Kieferschluss auch die komplexe menschliche Kaubewegung zur Zerkleinerung der Nahrung im Mund.
Im Laufe der Evolution hat sich der Aufbau menschlicher Kiefergelenke verändert, um eine weitere Kieferöffnung zum Abbeißen großer Speiseobjekte zu ermöglichen. Aus dem früheren Scharniergelenk musste dafür ein Dreh-Gleit-Gelenk werden. Dies wiederum ermöglicht auch das Zerreiben von Nahrung zwischen den Zähnen - bei geringer Kieferöffnung.
Damit hierbei nicht die Muskelkräfte das Kiefergelenk überlasten stellen die Seitenzähne die Kieferposition beim Zusammenbiss so ein, dass die Kiefergelenke korrekt angeordnet sind und funktionieren. Und damit bei Kieferbewegungen unter Zahnkontakt Kiefergelenke und Seitenzähne nicht überlastet werden leiten die Eckzähne bei Kieferbewegungen die Seitenzähne auseinander („Front-Eckzahn-geschützte Okklusion“).
Aufbau und Funktion der Kiefergelenke
Voraussetzung für die Funktionsvielfalt der Kiefergelenke ist deren Aufbau aus einer Gelenkpfanne (Fossa) und einem darin eingelagerten Ende des Unterkieferknochens, der Gelenkkopf (Condylus). Zwischen Fossa und Kondylus befindet sich - normalerweise - ein Gelenkknorpel (Discus articularis). Dieser Kunstgriff der Natur bewegt sich weitgehend frei zwischen beiden Knochenoberflächen, teilt den Gelenkraum in einen oberen und einen unteren Gelenkspalt und ist für die Gelenkfunktion sehr wichtig.
Grundsätzlich verhindert die Anwesenheit des Diskus direktes Reiben der Knochen aufeinander; dies vermeidet Gelenkentzündungen (Arthritis) und vorzeitige Degeneration (Arthrose). Für die Kieferbewegung hat der Diskus eine Doppelfunktion:
- Anfänglich öffnet sich das Kiefergelenk wie ein Klappscharnier; der Diskus ermöglicht dabei das freie Drehen des Kondylus im unteren Gelenkspalt.
- Im zweiten Bewegungsabschnitt bewegt sich dann kommt zusätzlich eine Vorschubbewegung des Komplexes aus Gelenkkopf und Knorpel (Diskus) hinzu.
Beides finden Sie nachfolgend in einer animierten Videosequenz illustriert, die wir hierfür für sie erstellt haben:
Störungen der Kiefergelenkfunktion
Der ungestörte Bewegungsablauf ist an die physiologische Position aller drei Gelenkanteile zueinander gebunden, Eine deutliche Abweichung in der Anordnung der verschiedenen Gelenkanteile führt daher zur Funktionsstörung, es resultiert eine craniomandibuläre Dysfunktionen (CMD) mit einer Gelenkerkrankung (Arthropathie).
Dabei können verschiedene Störungen auftreten:
- Die Fehlstellung eines oder beider Gelenkköpfe (Kondylusverlagerung) kann zur Überlastung der Weichgewebe im Kiefergelenk und zur Gelenkentzündung führen; in der Folge entstehen Gelenkschmerzen.
- Als weitere Folge der Fehlposition eines oder beider Gelenkköpfe wird der oder werden die Gelenknorpel (Disci) aus ihrer Position gedrückt; in der Folge entstehen Bewegungsstörungen der Kiefergelenke und des Unterkiefers insgesamt bis zur Blockade der Kieferöffnung.
- Bei unphysiologischer Belastung des Gelenkknorpels (Discus) kann dieser an der Oberseite der Gelenkgrube festkleben (Diskusadhäsion). Auch dies kann die Gelenkfunktion und damit die Kieferbewegung beeinträchtigen.
- Zu große auf den Discus einwirkende Kräfte können zu dessen Perforation oder Einriss führen; in der Folge verliert der Knorpel seine Funktion, die Knochenflächen reiben aufeinander und es drohen Entzündung und Bewegungsstörung.
Videoanimation: gestörte Kiefergelenkfunktion, mit Rückverlagerung des Gelenkkopfes (Kondylus) und zunächst reversibler und später irreversibler Vorverlagerung des Gelenkknorpel (Diskus articularis), sowie durch Überlastung resultierende Schmerzen im Kiefergelenk (Video: PD Dr. Ahlers/ © Alila Medical Media)
Warum braucht es Kiefergelenk-Spezialisten?
Störungen der Kiefergelenkfunktion nehmen Patientinnen und Patienten in der Regel selbst wahr. Die Ursache zu entschlüsseln ist wegen der gegenseitigen Einflüsse der Kiefergelenke, der Kaumuskulatur, der Zahnstellung und der Form der Zahnkauflächen hingegen schwierig; die Aufklärung der Zusammenhänge ist daher komplizierter als andere Fragestellungen in der Zahnmedizin.
Deswegen gibt es Spezialisten mit entsprechenden Kenntnissen in der Diagnostik und Therapie von CMD. Die Deutsche Gesellschaft für Funktionsdiagnostik und -therapie (DGFDT) als zuständige Fachgesellschaft unterscheidet in ihrem neuen Diagnoseschema daher ausdrücklich das Niveau der einfachen Diagnostik (Level I) von Diagnostik durch Spezialisten (Level II).
Zur Umsetzung dieses Wissens ist eine profunde Ausbildung in den Verfahren der zahnärztlichen Funktionsdiagnostik ebenso erforderlich wie die Beschaffung und der Unterhalt die erforderlichen technischen Instrumente und Softwaresysteme sowie ein hohe Schulungsgrad des gesamten Behandlungsteams.
Wo finden Sie Kiefergelenk-Spezialisten?
Das CMD-Centrum Hamburg-Eppendorf eine der führenden Einrichtungen in der Diagnostik und Therapie von CMD, speziell von Erkrankungen der Kiefergelenke sowie der Cofaktoren Zähneknirschen und Zahnverschleiß. Gegründet wurde es als erste spezialisierte Schwerpunktpraxis in Deutschland von PD Dr. M. Oliver Ahlers nach jahrelanger Leitung seiner Arbeitsgruppe im Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf. Mehr über PD Dr. Ahlers
Neben PD Dr. Ahlers umfasst das Spezialistenteam zusätzlich die Kollegen Tim Petersen, Dr. Lukasz Katzer und Jakob Röhl - sie alle sind nach einander aus dem UKE ins CMD-Centrum gewechselt und Spezialisten für das Kiefergelenk. Als solche untersuchen und behandeln sie deutlich mehr CMD-Patienten als die Sprechstunden großer Universititätskliniken im In- und Ausland.
PD Dr. M. Oliver Ahlers
Tim Petersen
Dr. Lukasz Katzer
Stephan Herrmann
Auch die Praxiseinrichtung im CMD-Centrum ist darauf gezielt ausgerichtet, ergänzt durch modernste Instrumente und spezielle Software. Die Instrumente und Software entwickelt das Team im Rahmen eigener Forschungsprojekte laufend weiter.
Der Standort gegenüber dem Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf ermöglicht dabei enge Kooperationen mit den dortigen Kolleginnen und Kollegen in der Kieferorthopädie, Kieferchirurgie, Neurologie und der bildgebenden Diagnostik.
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Sofern Sie an Kiefergelenkbeschwerden oder Schmerzen im Gesichtsbereich leiden, oder wenn Sie das Gefühl haben, Ihre Zähne passten nicht richtig aufeinander: vereinbaren Sie einen ausführlichen Untersuchungstermin!
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